Netzanschluss und Gleichzeitigkeitsannahmen bestimmen die Dimensionierung der Campingplatzversorgung.
DIN VDE 0100-708:2010-02 gilt als belegte Ausgabe; die Neufassung von 2016 liegt nur als Entwurf vor. Plane Reserven in Trassen und Gehäusen statt mit zusätzlichen Steckdosen.
- Jede Stellplatzsteckdose braucht eine eigene RCD mit höchstens 30 mA und einen eigenen Überstromschutz.
- Je Verteiler oder Gehäuse sind höchstens vier Steckdosen zulässig; Steckdosen müssen CEE-blau und mindestens IP44 sein.
- Für touristische Plätze eignen sich als Planungsannahme Gleichzeitigkeitsfaktoren von 0,4 bis 0,6; am Strangende ist mit Faktor 1 zu rechnen.
- Anlagen der Gruppe DIN VDE 0100-700 sind laut DGUV Vorschrift 3 jährlich von einer Elektrofachkraft zu prüfen.
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Normative Grundlage: Was DIN VDE 0100-708 festlegt
Die Norm DIN VDE 0100-708 regelt die Elektroinstallation von Caravanplätzen, Campingplätzen und ähnlichen Bereichen und gehört zur Gruppe 700 für besondere Betriebsstätten. Als gültige Ausgabe ist DIN VDE 0100-708:2010-02 belegt. Eine Neufassung liegt lediglich als Entwurf E DIN VDE 0100-708:2016-11 vor und trägt den Status „Entwurf“.
Das hat Konsequenzen für die Planung: Du planst gegen die Ausgabe 2010-02, beobachtest aber den Normungsstand, bevor du Erweiterungen mit langem Vorlauf vergibst. Die folgenden Unterabschnitte fassen die Vorgaben zusammen, die die Dimensionierung unmittelbar bestimmen.
Welche Anforderungen gelten für Stellplatzsteckdosen?
Stellplatzsteckdosen müssen als CEE-blau-Steckdosen ausgeführt sein. Schuko-Steckdosen sind nicht zulässig. Für die Installation gelten folgende Anforderungen:
- Steckdosentyp: CEE-blau statt Schuko.
- Schutzart: Mindestens IP44 für alle Betriebsmittel.
- Montagehöhe: Die Unterkante der Steckdose muss 0,5 bis 1,5 Meter über dem Boden liegen.
- Versorgungsspannung: Maximal 230 Volt einphasig oder 400 Volt dreiphasig.
- Anzahl der Steckdosen: Nur so viele Steckdosen wie Stellplätze mit vorgesehener Stromversorgung.
Zusätzliche Reservesteckdosen ohne zugehörigen Stellplatz sind damit nicht zulässig. Wenn du spätere Erweiterungen einplanst, solltest du die erforderlichen Reserven stattdessen in der Verteilerstruktur und bei der Leitungsführung vorsehen.
Schutzeinrichtungen je Stellplatz: eine RCD, ein Überstromschutz
Jede Stellplatzsteckdose benötigt eine eigene Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit höchstens 30 mA Bemessungsdifferenzstrom sowie einen eigenen Überstromschutz.
Dabei gelten folgende Anforderungen:
- Fehlerstromschutz: Jede Steckdose muss einzeln über eine RCD mit maximal 30 mA abgesichert sein. Seit der Normausgabe 2010-02 ist eine gemeinsame RCD für drei Steckdosen nicht mehr zulässig.
- Überstromschutz: Jede Steckdose benötigt eine eigene Absicherung gegen Überlast und Kurzschluss.
- FI/LS-Kombination: Vereint beide Schutzfunktionen und ermöglicht die separate Abschaltung jedes Stellplatzes.
- RCD-Typ: Muss zu den angeschlossenen Verbrauchern und den Herstellerangaben passen, insbesondere bei Wohnmobilen mit leistungselektronischen Komponenten.
Die Einzelabsicherung verbessert auch die Betriebssicherheit. Ein defektes Anschlusskabel legt nur den betroffenen Stellplatz lahm. Außerdem addieren sich die Ableitströme mehrerer Stellplätze nicht auf einer gemeinsamen RCD, wodurch unerwünschte Auslösungen vermieden werden.
Planungsreihenfolge: Von der Anschlussleistung zur Stellplatzstruktur
Die Planung beginnt am Netzanschluss und nicht am Stellplatz, denn die verfügbare Leistung am Hauptanschluss begrenzt alle nachgelagerten Entscheidungen. Nach ECOCAMPING e. V. klärst du zuerst mit dem Stromversorger die kW-Leistung am Hauptanschluss und mit der Elektrofachkraft die Belastbarkeit des vorhandenen Leitungsnetzes. Erst danach ermittelst du die Stellplatzzahl und berechnest die nötigen Verteilerkästen beziehungsweise Stromsäulen.
Die folgenden Schritte übersetzen diese Reihenfolge in einen Ablauf, den du auf Neubau und Sanierung anwenden kannst.
Schritt 1: Netzanschluss und Bestandsnetz klären
Der Ausgangspunkt ist die vom Netzbetreiber zugesagte Anschlussleistung, ergänzt um eine Bestandsaufnahme von Leitungen, Querschnitten, Verlegearten und Verteilern. Bei Sanierungen fehlt häufig die Dokumentation, dann ist eine Messung von Schleifenimpedanz und Isolationszustand der Altleitungen der erste Planungsbaustein. Hole außerdem früh die Aussage des Netzbetreibers zu möglichen Leistungserhöhungen ein, denn deren Vorlaufzeit liegt oft außerhalb deiner Kontrolle.
Schritt 2: Anschlusswert je Stellplatz festlegen
Der Anschlusswert je Stellplatz ist eine Betreiberentscheidung, die Angebot, Zielgruppe und Netzkapazität verbindet. Rechnerisch ergibt ein 16-A-Anschluss bei 230 V 3.680 W, 10 A ergeben 2.300 W und 6 A ergeben 1.380 W. Die Norm beantwortet „Wie viel Ampere pro Stellplatz?“ nicht pauschal, du definierst den Wert im Planungskonzept und kommunizierst ihn den Gästen.
Ein häufiger Fehler ist ein einheitlich hoher Wert für alle Plätze. Sinnvoller ist oft eine Staffelung nach Platzkategorie, etwa Zeltwiese mit 6 A und Komfortplätze mit 16 A. Das senkt die Summenleistung, ohne das Angebot spürbar zu schmälern.
Schritt 3: Summenleistung mit Gleichzeitigkeit bestimmen
Die anzusetzende Summenleistung ergibt sich aus Anschlusswert, Platzzahl und einem begründeten Gleichzeitigkeitsfaktor, nicht aus der bloßen Multiplikation. Als Planungsannahme (kein Messwert, mit dem Netzbetreiber abzustimmen) bieten sich für touristisch genutzte Plätze Faktoren von 0,4 bis 0,6 an. Bei hohem Dauercamperanteil, elektrischer Heizung in der Übergangszeit, Klimaanlagen oder Fahrzeugladung rechnest du eher mit 0,7 bis 0,8.
Das Beispiel mit 50 Plätzen zu je 16 A: Der installierte Anschlusswert beträgt 50 × 3,68 kW = 184 kW. Der Betriebsstrom der Hauptzuleitung folgt aus I = P / (√3 · 400 V · cos φ), hier mit cos φ = 0,95.
| Faktor | Summenleistung | Betriebsstrom bei 400 V |
|---|---|---|
| 0,4 | 73,6 kW | ca. 112 A |
| 0,5 | 92,0 kW | ca. 140 A |
| 0,6 | 110,4 kW | ca. 168 A |
| 0,8 | 147,2 kW | ca. 224 A |
Die Spanne zwischen 0,4 und 0,8 entspricht gut 110 A Unterschied am Hauptanschluss. Deshalb dokumentierst du die Annahme: Sie ist bei Erweiterungen und bei Rückfragen des Netzbetreibers dein Beleg.
Ein Punkt, den viele Planungen übersehen: Der Gleichzeitigkeitsfaktor gilt für die Hauptzuleitung, nicht für das Strangende. Für Spannungsfall und Abschaltbedingung eines Stichs mit vier Plätzen rechnest du mit Faktor 1, denn dort können alle Gäste gleichzeitig ziehen.
Schritt 4: Verteilerstruktur und Stromsäulen auslegen
In einem Verteiler oder Gehäuse dürfen höchstens vier Steckdosen zusammengefasst werden. Diese Grenze bestimmt die Säulenzahl: Bei 50 Stellplätzen brauchst du mindestens 13 Säulen oder Verteilergehäuse, wenn du die vier Steckdosen je Gehäuse voll ausnutzt. Rechne die Platzgeometrie gegen, denn die Entfernung zwischen Steckdose und Caravan beziehungsweise Zelt beträgt höchstens 20 m.
Auch die Zuleitung zum Standplatz darf nicht über einen Nachbarplatz laufen. Damit wird die Säulenposition zur Geometrieaufgabe, nicht nur zur Frage der Kabelwege.
Zuleitung dimensionieren: Querschnitt berechnen
Den Querschnitt einer Zuleitung bestimmst du aus drei Kriterien, und das jeweils strengste gewinnt: Strombelastbarkeit, Spannungsfall und Abschaltbedingung im Fehlerfall. Die Zuleitung muss außerdem zur Verlegeart passen, denn Kabel der ortsfesten Stellplatzversorgung werden oberirdisch oder vorzugsweise unterirdisch verlegt. Bei langen Trassen ist selten die thermische Belastbarkeit der begrenzende Faktor.
Wie berechnest du die Strombelastbarkeit?
Die erforderliche Strombelastbarkeit einer Zuleitung ermittelst du aus dem berechneten Betriebsstrom und den Verlegebedingungen. Gehe dabei in drei Schritten vor:
- Betriebsstrom berechnen: Ermittle die Summenleistung unter Berücksichtigung der Gleichzeitigkeit. Für Drehstrom gilt:I = P / (√3 × U × cos φ)Dabei beträgt die Spannung (U) im Drehstromnetz 400 Volt.
- Strombelastbarkeit bestimmen: Entnimm den zulässigen Wert für das Kabel den einschlägigen Tabellen nach DIN VDE 0298-4 und DIN VDE 0100-520.
- Verlegebedingungen berücksichtigen: Prüfe insbesondere Verlegeart, Häufung mehrerer Leitungen und Umgebungstemperatur. Die zulässige Strombelastbarkeit muss unter diesen Bedingungen mindestens dem berechneten Betriebsstrom entsprechen.
Ein klassischer Planungsfehler: Erdkabel in einem Graben mit mehreren parallel verlegten Leitungen werden mit Einzelwerten gerechnet. Die Häufung senkt die Belastbarkeit, sodass der Querschnitt dann zu knapp ausfällt.
Spannungsfall: Bei langen Strängen meist der begrenzende Faktor
Auf langen Strängen bestimmt der Spannungsfall den Querschnitt, weil schon ein 150 m langer Strang mit 10 mm² Kupfer bei 32 A rund 3,5 % verliert, obwohl das Kabel thermisch weit unter seiner Grenze bleibt. Der Spannungsfall summiert sich aus Hauptzuleitung, Unterverteilung, Stichleitung zur Säule und Gästekabel. Als Planungsziel bis zur Steckdose bieten sich 3 % an, der übliche Orientierungswert für Verbraucheranlagen liegt bei 4 %. Der Abstand zu 4 % ist bewusst gewählt, weil das Gästekabel außerhalb deiner Kontrolle noch Spannung verbraucht.
Das Rechenbeispiel: Stichleitung zur Säule am Strangende, Länge 150 m, Drehstrom 400 V, Betriebsstrom 32 A (zwei volle 16-A-Plätze auf derselben Phase), cos φ = 0,95, Kupfer mit κ = 56 m/(Ω·mm²). Es gilt ΔU = √3 · I · L · cos φ / (κ · A).
| Querschnitt | Spannungsfall | Anteil an 400 V |
|---|---|---|
| 10 mm² | ca. 14,1 V | 3,5 % |
| 16 mm² | ca. 8,8 V | 2,2 % |
| 25 mm² | ca. 5,6 V | 1,4 % |
Bei 10 mm² reißt der Strang die 3 %, bei 16 mm² passt er. Das Gästekabel H07RN-F 3G2,5 mit 25 m und 16 A einphasig verliert zusätzlich 2 · 16 A · 25 m · 0,95 / (56 · 2,5) ≈ 5,4 V, also rund 2,4 % von 230 V. Mit 16 mm² liegt die Gesamtkette damit bei etwa 4,6 %. Die Werte gelten für 20 °C. Bei Betriebstemperatur fällt der Spannungsfall rund 15 % höher aus.
Der Sprung von 16 auf 25 mm² senkt den Spannungsfall des Strangs um 36 %, während Graben, Leerrohr und Verlegeaufwand identisch bleiben. Der Mehrpreis betrifft nur das Kupfer. Rechne den Spannungsfall deshalb immer für den ungünstigsten Platz am Strangende bei maximaler Last.
Wann ist die Abschaltbedingung maßgeblich?
Die Abschaltbedingung wird besonders bei langen Leitungssträngen mit hoher Vorsicherung relevant, beispielsweise bei einer 150 Meter langen 16-mm²-Leitung hinter einem Leitungsschutzschalter C32.
Entscheidend ist die Schleifenimpedanz am Leitungsende: Der Kurzschlussstrom muss ausreichen, um den Überstromschutz innerhalb der vorgeschriebenen Zeit auszulösen. Bei Endstromkreisen bis 32 A im TN-System mit 230 V sind das in der Regel maximal 0,4 Sekunden. Eine RCD mit höchstens 30 mA bietet zusätzlichen Schutz, ersetzt jedoch nicht die erforderlichen Nachweise nach DIN VDE 0100-410 und DIN VDE 0100-430.
Rechenbeispiel: 150 Meter Leitung mit 16 mm² und LS C32
- Auslösestrom bestimmen: Ein LS C32 löst im magnetischen Bereich spätestens beim Zehnfachen des Nennstroms aus: 10 × 32 A = 320 A.
- Maximale Schleifenimpedanz berechnen: 230 V / 320 A = 0,72 Ω.
- Leitungsimpedanz ermitteln: Bei 150 Metern und 16 mm² ergibt sich 2 × 150 / (56 × 16) ≈ 0,34 Ω. Mit Temperaturfaktor 1,2 sind es rund 0,40 Ω.
- Gesamtimpedanz prüfen: Zusammen mit der angenommenen Netzimpedanz von 0,30 Ω ergeben sich 0,70 Ω. Das entspricht rund 98 Prozent des Grenzwerts und lässt kaum Reserve.
Die maximal zulässige Stranglänge hängt damit auch vom Querschnitt und der Auslösecharakteristik ab:
- 16 mm² mit LS C32: rund 155 Meter
- 25 mm² mit LS C32: rund 245 Meter
- 16 mm² mit LS B32: rund 425 Meter, da der magnetische Auslösestrom bei 160 A und die maximale Schleifenimpedanz bei 1,44 Ω liegen
Bei Charakteristik B ist allerdings die Toleranz gegenüber hohen Einschaltströmen geringer.
Am einzelnen Stellplatz ist die Abschaltbedingung meist weniger kritisch. Hinter einem LS B16 beträgt die maximale Schleifenimpedanz rechnerisch 2,88 Ω. Ein 25 Meter langes Gästekabel mit 2,5 mm² erhöht sie lediglich um etwa 0,43 Ω.
Bei knappen Abschaltbedingungen kommen folgende Maßnahmen infrage:
- Größere Kabelquerschnitte, um die Leitungsimpedanz zu verringern
- Kürzere Leitungsstränge, um den Widerstand zu reduzieren
- LS-Charakteristik B, sofern die Einschaltströme dies zulassen
- Zusätzliche Unterverteilungen, die zwar mehr Betriebsmittel erfordern, aber die kritischen Leitungslängen verkürzen
Verteiler und Absicherung im Detail
Der Verteilerschrank ist das technische Herz der Anlage, und seine Struktur bestimmt Selektivität, Wartbarkeit und Erweiterbarkeit. Die Norm gibt hier klare Mindestvorgaben zu Netzform und Trennung, die du mit einem Selektivitätskonzept ergänzt.
Netzform und Trenneinrichtung
Wird ein TN-System verwendet, muss es als TN-S ausgeführt sein, PEN-Leiter kommen nicht zur Anwendung. Der Verteilerschrank enthält eine Trenneinrichtung für alle aktiven Leiter einschließlich Neutralleiter. Bei Bestandsanlagen mit TN-C-Abschnitten klärst du die Auftrennung früh in der Sanierungsplanung, weil sie Erdung und Potentialausgleich betrifft.
Wie baust du ein selektives Schutzkonzept auf?
Ein selektives Konzept staffelt den Schutz vom Netzanschluss bis zur Steckdose so, dass im Fehlerfall nur der betroffene Abgang abschaltet. Für das 50-Platz-Beispiel mit Faktor 0,5 (ca. 140 A) und 32-A-Strängen zu 13 Säulen sieht eine Staffelung so aus:
| Ebene | Schutzgerät | Nennstrom | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Einspeisung | NH-Sicherung gG | 160 A | über Betriebsstrom ca. 140 A |
| Strangabgang je Säule | LS Charakteristik C oder gG | 32 A bzw. 35 A | Abschaltnachweis siehe oben |
| Stellplatz | FI/LS-Kombination, 1P+N, B16 | 16 A | RCD ≤ 30 mA, Typ A |
Die Selektivität der Schutzeinrichtungen prüfst du anhand der Herstellertabellen und der Kurzschlussströme am jeweiligen Einbauort. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:
- LS vor LS: Die Selektivität ist meist auf vergleichsweise niedrige Kurzschlussströme begrenzt.
- Vorgelagerte Schmelzsicherung gG: Ermöglicht häufig höhere Selektivitätsgrenzen.
- RCD Typ A: Bildet den Ausgangspunkt für die Auswahl des Fehlerstromschutzes.
- RCD Typ F oder B: Bei Verbrauchern mit Frequenzumrichtern, beispielsweise Inverter-Klimaanlagen, kann Typ F sinnvoll sein. Typ B kommt entsprechend den Herstelleranforderungen zum Einsatz.
- Vorgelagerte RCD: Verwende am Strangabgang einen zeitverzögerten Typ S mit höherem Bemessungsdifferenzstrom als die 30-mA-RCD der einzelnen Stellplätze. So verhinderst du, dass ein Fehler am Gästekabel einen ganzen Strang abschaltet.
Die Einzelabsicherung jedes Stellplatzes erhöht die Anzahl der Schutzgeräte erheblich. Plane deshalb ausreichend Platz und Wärmeabfuhr in den Gehäusen ein.
Für die Kostenabschätzung kannst du je Stellplatz folgende Positionen ansetzen:
FI/LS-Kombination + ¼ Säule + anteilige Grabenmeter
Da die Preise je Gerät, Säule und Grabenmeter stark von Hersteller, Bodenklasse und Region abhängen, solltest du konkrete Angebotswerte verwenden.
Eine großzügige Erstplanung der Gehäuse ist meist günstiger als die nachträgliche Vergrößerung bereits installierter Säulen.
Übersicht der wichtigsten Normvorgaben
Die folgende Tabelle bündelt die planungsrelevanten Vorgaben in einem Blick.
| Parameter | Vorgabe |
|---|---|
| Gültige Ausgabe | DIN VDE 0100-708:2010-02 (Neufassung nur als Entwurf 2016-11) |
| Steckdosen je RCD | eine Steckdose je RCD (≤ 30 mA) |
| Steckdosen je Verteiler/Gehäuse | höchstens vier |
| Steckdosentyp | CEE-blau, keine Schuko |
| Schutzart | mindestens IP44 |
| Montagehöhe Unterkante | 0,5 bis 1,5 m über Boden |
| Spannung | höchstens 230 V einphasig oder 400 V dreiphasig |
| Netzform bei TN | TN-S, kein PEN-Leiter |
| Abstand Steckdose zu Caravan/Zelt | höchstens 20 m |
| Gästekabel | H07RN-F 3G2,5, höchstens 25 m |
Prüfung, Betrieb und Sanierung
Nach der Errichtung ist die Anlage zu prüfen und danach wiederkehrend, wobei die Fristen in der Betriebsphase relevant werden. Laut DGUV Vorschrift 3 (Durchführungsanweisung) gilt für Anlagen der Gruppe DIN VDE 0100-700 eine Prüffrist von 1 Jahr durch eine Elektrofachkraft. Bei sonstigen ortsfesten Anlagen beträgt sie 4 Jahre.
Für dich als Betreiber bedeutet das: Die jährliche Prüfung der Stellplatzversorgung ist einzuplanen, idealerweise vor der Saison. Dokumentiere Messwerte von Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeiten und Isolationswiderstand, damit du Veränderungen über die Jahre erkennst.
Was ist bei der Sanierung von Altanlagen zu beachten?
Bei Altanlagen klärst du zuerst, welche Ausgabe bei der Errichtung galt und welche Teile bei einer Erweiterung angepasst werden müssen.
Typische Defizite sind:
- Gruppen mit drei Steckdosen je RCD
- Schuko-Steckdosen
- zu hoch oder zu niedrig montierte Steckdosen
- PEN-Leiter im Verteilernetz
Eine Elektrofachkraft sollte den Bestand bewerten und mit dir einen Stufenplan erarbeiten, der Sicherheitsmängel zuerst beseitigt.
Ein oft übersehener Punkt ist die Netzkapazität: Steigt bei der Sanierung gleichzeitig der Anschlusswert je Platz, wächst auch die Summenleistung, und der Hauptanschluss wird zum Engpass.
Checkliste für die Planung und Abnahme
Die Checkliste fasst die Punkte zusammen, die du vor Planfreigabe und Abnahme abhaken solltest:
- Anschlussleistung am Hauptanschluss vom Netzbetreiber bestätigt
- Belastbarkeit des Bestandsnetzes durch eine Elektrofachkraft bewertet
- Anschlusswert je Stellplatz festgelegt (z. B. 16 A = 3.680 W, 10 A = 2.300 W, 6 A = 1.380 W)
- Gleichzeitigkeitsfaktor begründet und dokumentiert, Strangenden mit Faktor 1 gerechnet
- Stellplatzzahl und Steckdosenzahl deckungsgleich
- Höchstens vier Steckdosen je Verteiler oder Gehäuse
- Je Steckdose eigene RCD (≤ 30 mA) und eigener Überstromschutz
- Netzform TN-S, kein PEN-Leiter, Trenneinrichtung für alle aktiven Leiter im Verteiler
- Steckdosen CEE-blau, mindestens IP44, Unterkante 0,5 bis 1,5 m über Boden
- Abstand Steckdose zu Caravan oder Zelt höchstens 20 m, Zuleitung nicht über Nachbarplatz
- Querschnitt nach Belastbarkeit, Spannungsfall und Abschaltbedingung berechnet
- Selektivität zwischen Strangabgang und Platzschutz anhand der Herstellertabellen nachgewiesen
- Kabel oberirdisch oder vorzugsweise unterirdisch verlegt
- Erstprüfung dokumentiert, jährliche Wiederholungsprüfung terminiert
Fazit: Zuerst die Leistung, dann die Geometrie
Eine tragfähige Stromversorgung für den Campingplatz entsteht in der Reihenfolge Netzanschluss, Anschlusswert, Gleichzeitigkeit, Verteilerstruktur und erst dann Querschnitt. Die Norm DIN VDE 0100-708 liefert dafür feste Rahmenbedingungen: eine RCD je Steckdose, höchstens vier Steckdosen je Gehäuse, TN-S, CEE-blau und IP44. Den größten Spielraum und das größte Fehlerpotenzial hast du bei der Gleichzeitigkeit und bei Spannungsfall und Abschaltbedingung auf den langen Strängen. Plane Reserven in Trassen und Gehäusen statt in zusätzlichen Steckdosen, und lass die Anlage jährlich von einer Elektrofachkraft prüfen.
FAQ zum Thema Stromversorgung Campingplatz nach DIN VDE 0100-708
Wie viel Ampere pro Stellplatz auf dem Campingplatz?
Die Norm legt keinen Wert fest. Üblich ist eine Staffelung zwischen 6 und 16 A je nach Platzkategorie. Ein einheitlich hoher Wert für alle Plätze ist der häufigste Planungsfehler, weil er den Hauptanschluss überfordert.
Wie viele Steckdosen darf eine RCD auf dem Campingplatz schützen?
Nur eine. Jede Stellplatzsteckdose bekommt eine eigene 30-mA-RCD plus Überstromschutz. Bei Altanlagen mit Dreiergruppen ist das der häufigste Sanierungsgrund.
Wie viele Steckdosen dürfen in einem Campingplatz-Stromverteiler sitzen?
Höchstens vier je Verteiler oder Gehäuse. Teile die Stellplatzzahl durch vier und runde auf, dann kennst du die Mindestzahl der Säulen. Ob sie zur Platzgeometrie passt, entscheidet der 20-m-Abstand zum Caravan.
Welche Steckdosen sind auf Stellplätzen erlaubt?
Zulässig sind CEE-blaue Steckdosen mit mindestens Schutzart IP44. Schuko-Steckdosen scheiden aus. Beim Einbau zählt die Höhe der Unterkante von 0,5 bis 1,5 m.
Wie oft muss die Stromversorgung eines Campingplatzes geprüft werden?
Für Anlagen der Gruppe DIN VDE 0100-700 nennt die Durchführungsanweisung zur DGUV Vorschrift 3 eine Frist von einem Jahr, durchgeführt von einer Elektrofachkraft. Terminiere die Prüfung vor Saisonbeginn, damit Mängel nicht im Hochbetrieb auffallen.
Ist die DIN VDE 0100-708 bereits neu gefasst worden?
Belegt ist nur ein Entwurf (E DIN VDE 0100-708:2016-11), als gültig gilt die Ausgabe 2010-02. Frage vor größeren Vorhaben beim VDE VERLAG den aktuellen Stand ab, bevor du die Planungsgrundlage festschreibst.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von unserer Redaktion geprüft und freigegeben.
